Impressionen von Gerhard Malek
Geschichte
Als Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wird der Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) bezeichnet. Darunter wird in erster Linie der Camino Francés verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht und dabei die Königsstädte
Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander verbindet. Die
Entstehung dieser Route fällt in ihrem auch heute begangenen Verlauf in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts.
Seitdem stellt dieser
Weg neben Jerusalem und Rom einen der wichtigsten christlichen Pilgerwege dar.
(Quelle: Wikipedia)

Meine Motive und die Vorbereitung
Religiöse Motive oder tiefe Frömmigkeit spielten bei
mir nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr waren es persönliche Gründe, die
mich bewegten, zum Grabmal des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela zu
pilgern. Ein Gelübde einzulösen, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen,
innere Einkehr zu halten, vieles Vergangene hinter mir zu lassen und mich selbst
zu finden. Alles das beschäftigte mich seit 12 Jahren. Erst nach meiner
Pensionierung hatte ich ausreichend Zeit zur Verfügung, um mich auf den Weg zu
machen. Als geübter Wanderer und Halbmarathon-Läufer bedurfte es keiner
besonderen körperlichen Vorbereitung, um diese Anstrengung zu meistern.
Allerdings habe ich lange Zeit aus Wanderkarten, Büchern und Reiseberichten aus dem
Internet viele Information über den Jakobsweg gesammelt. Ich begann jeden Tag
mindestens 10 Kilometer zu walken. Im Frühjahr 2011 fühlte ich mich geistig
und körperlich stark genug, diese Belastung auf mich zu nehmen. Ich habe mir
bei der Österreichischen Jakobsbruderschaft den Pilgerpass besorgt. Der Termin
wurde auf Mitte Mai fixiert. Ich hoffte, dass es dann weder zu heiß noch zu
kalt auf dem Camino sein würde. Ich war schon sehr gespannt, zu erfahren, was
meine Pilgerreise dann wirklich für mich persönlich bedeuten würde. Eine
sportliche Herausforderung, meine physischen Grenzen zu erfahren oder einfach
nur ein faszinierendes Erlebnis. Jetzt wollte ich endlich aufbrechen
und auch ankommen, um am Ende diese begehrte
Compostella in meinen Händen zu halten.


Nachdem wir einen Flug von Wien nach Pamplona genommen haben, entschieden wir den
Weg auch nur von hier bis Santiago zu gehen. In meinem Bericht verzichte ich
bewusst
auf eine detaillierte Beschreibung von Etappen und Herbergen, sondern möchte einfach nur
die gesammelten Eindrücke des Weges wiedergeben.
Mein Camino


Der Weg aus Pamplona (Hauptstadt der autonomen Region Navarra) heraus führt durch belebte
Stadtviertel bevor wir nach ca. 5 km Cizur Menor erreichen. Dann geht es hinaus in die Natur.
Entlang schöner Wege folgt
ziemlich bald ein steiler Anstieg
auf die Passhöhe des Puerto del Perdón (800m) mit dem Pilgerdenkmal aus Metall
und dem Windpark. Der war schon von Pamplona aus zu sehen. Da waren gleich mal 400 Höhenmeter zu bewältigen. Für
ungeübte Wanderer wahrscheinlich eine harte Prüfung. Dafür
werden wir mit einer einmalig schönen Aussicht auf die Bergwelt Navarras bis zu den Pyrenäen im
Hintergrund belohnt. Den ehernen Pilgern kann der heftige Wind nichts anhaben.
Der folgende Abstieg meist über Geröllhalden ist beschwerlich. Da bin ich schon mal froh, dass ich
Wanderstöcke dabei habe. Auf verschiedenen Wegen geht
es über Uterga und Obanos nach Puenta la Reina.

In Puente la Reina fügen sich der Navarrische Weg und der in Somport
beginnende Aragonesische Weg zum eigentlichen Camino Francés zusammen. Hier
beginnt die klassischen Route des Jakobsweges. Interessant ist hier die Kirche des
Kreuzes (Iglesia del Crucifijo) des ehemaligen Templerklosters mit einem Y-Kreuz der Spätgotik als
Besonderheit, das aus dem Rheinland stammen soll und die berühmte Puente la
Reina (Brücke der
Königin) über den Rio Arga, über die wir die Stadt verlassen.

Über eine alte Römerstraße führt der Camino 21 km nach Estella, wo wir die Orte
Mañeru, Cirauqui, Lorca und Villatuerta
durchwandern. Dabei gehen wir über eine
viele hundert Jahre alte Römerbrücke. Sehenswert ist die am höchsten Punkt
des Ortes Cirauqui liegende Kirche San Roman. Das Bild rechts oben zeigt die
Reste des Klosters San Miguel kurz hinter Villatuerta. Auf vielen Abschnitten
des Camino
kann man sehen, dass er über die Jahrhunderte eine perfekte Linie gefunden hat. Leider
müssen die Pilger auf unbefestigte Wege, Wiesen und Äcker ausweichen, weil die
alten Wege für die Autobahnen und Schnellstrassen genutzt werden. So mussten
wir auf diesem Teil des Camino mehrmals die A12 über- oder unterqueren.

Estella (421m) ist einer der größeren Orte am Camino und befindet sich auf der
Hälfte des Weges zwischen den Hauptstädten Navarras (Pamplona) und der Rioja (Logrono).
Auf dem Schild steht der spanische und der baskische Name. Durch den Ort fließt der Río
Ega. Es gäbe einige schöne Bauwerke zu sehen, die
aber zum Teil verschlossen sind. Zum Beispiel die älteste Kirche des Ortes San Pedro de la Rúa
(oben rechts) mit der Freitreppe in der Altstadt. Nicht zu vergessen Iglesia del Santo Sepulcro mit dem
wunderschönen Portal. Interessant sind die Reliefs um das Portal, die Szenen der
Auferstehung und den Kampf des Erzengels Michael darstellen. Die navarrischen Könige
erbauten sich in Estella den Palacio de los Reyes (Palast der Könige). Heute
ist dort das Museum des Malers Gustavo de Maeztu untergebracht.

Mein Pilgerpass

Diashows
Pamplona
nach Burgos
Burgos nach Leon
Leon nach Santiago
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